"Sinneswandel" im Hauswirtschaftsunterricht
Verständnisförderung für Probleme Blinder
VS Oberes Inntal/Kiefersfelden
Bereits zum zweiten Mal veranstalteten in der Vorweihnachtszeit die Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufen im Rahmen des hauswirtschaftlich- sozialen Bereiches ein Projekt, das allen Beteiligten praktisch und nachdrücklich die alltäglichen Probleme und Leistungen blinder Mitmenschen nahe brachte. Während man auf einem Sinnespfad durch Riechen, Hören, Schmecken und Fühlen die den Blinden verbleibenden Wahrnehmungen testen konnte, erlebten die Schülerinnen und Schüler der 3.,8.,und 9. Jahrgangsstufen im "Cafe Lichtlos" das Speisen bei absoluter Dunkelheit.
Durch den guten Kontakt zur Beratungsstelle des bayerischen Blindenbundes in Rosenheim konnte die Fachlehrerin Maren Janiczek wieder auf die Mithilfe von Friedrich Gerlmaier zählen. Er organisierte Informationsmaterial für die Klassen und kam mit zwei weiteren Blinden nach Kiefersfelden, um die Gäste des "Cafe Lichtlos" zu bedienen und ihnen Interessantes zum Leben von Sehbehinderten zu erzählen.
Gemeinsam mit den Hauswirtschaftgruppen wurde mit Fantasie, Eigeninitiative und ohne großen finanziellen Einsatz der Sinnespfad aufgebaut .Es galt, natürlich versehen mit Verdunkelungsbrillen, verschiedene Geschmacksproben einzuordnen, Gewürzgerüche zu identifizieren, mit den Händen die Formen von Obstsorten zu erfassen und beim Barfußweg die verschiedenen Bodenbeschaffenheiten zu fühlen und zu meistern.
Besonders beeindruckt zeigten sich die Schüler vom Besuch des "Cafe Lichtlos". In dem vollkommen abgedunkelten Handarbeitszimmer wurden den Gästen im Hauswirtschaftsunterricht gebackener Kuchen und Getränke serviert. Für eine Viertelstunde durften die Schüler erfahren, wie hilflos man sich ohne die Fähigkeit zu sehen fühlt. Die liebevolle Bedienung der Blinden ließ aber kaum Ängste aufkommen. Sogar kassiert wurde im Dunkeln und auch die Euroumstellung machte Herrn Gerlmaier nicht das Geringste aus. Er zeigte sich beeindruckt von der Einfühlsamkeit der jungen Menschen: "Man fühlte das Verstehen und zuweilen das Mitleiden!"
"Dass mit diesem Projekt die angestrebte soziale Komponente voll getroffen wurde, ist mir am wichtigsten", freut sich die Initiatorin Maren Janiczek." Alle mitwirkenden Schüler/innen der 9. Klassen haben zuverlässig und eigenständig mitgemacht und gezeigt, dass sie für den Eintritt ins bevorstehende Berufsleben die richtige Grundeinstellung haben.
Den Reinerlös des Projektes erhielt der Blindenbund Rosenheim.